Atelier der kleinen Künstler

Ein Kunsthaus ausschließlich für Kinder und Jugendliche! Es steht seit dem Frühjahr 2011 in Düsseldorf. Aus einem einmaligen Event heraus geboren, trägt die Idee des Kinderateliers bereits in anderen Städten der Republik Früchte - in Form von Filialen.

„Kinder öffnen beim Malen nicht nur Farbtöpfe, sondern auch ihre Herzen“, sagt Claudia Seidensticker. Die 52-Jährige muss es wissen. Sie ist die Initiatorin der Stiftung „Kultur für Kinder“ und Begründerin des Kinderkunstateliers in Düsseldorf, in dem Mädchen und Jungen im Alter von sechs bis 18 Jahren dem Spiel mit Farben freien Lauf lassen können.

Dabei hatte die freischaffende Künstlerin im April 2008 eigentlich nur ein eintägiges Event geplant, als sie Kinder und Jugendliche – gleich welcher Nationalität und sozialen Schicht – aufrief, gleichzeitig eine 60 Meter lange Leinwand zu bemalen. „Kinder malen eine bessere Welt“, betitelte sie diese Aktion und verwandelte eine 100 Jahre alte Straßenbahnstation in der NRW-Landeshauptstadt für einen Samstag in ein Kinderatelier. Ihr Ziel, das sie auch erreichte: „Ein Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde.“

Dem erfolgreichen Event folgten weitere: beim Europafest im Landtag, in Kooperation mit Schulen und der Polizei, bei der Kinderolympiade in Athen… „Es macht einfach Freude, die Kinder in ihrer Kreativität zu fördern“, sagt die Düsseldorferin, die bei der Realisierung ihrer Projekte auf soziale Netzwerke wie Xing und Facebook setzt.

„Es ist einfach fantastisch, wie viele Menschen einen unterstützen, wenn man um Hilfe bittet“, freut sie sich. Bis zu ihrer Mal-Aktion im Straßenbahndepot hätte sie daran auch nicht geglaubt. Doch: „Man schreibt seinen Netzwerkpartnern, dass man 1.000 Leinwände braucht oder 800 Pinseln, und man bekommt sie. Nicht von einem einzelnen, aber von vielen, die helfen möchten.“ Oder: „Man sucht für eine Aktion Ehrenamtliche, und sie sind da, wenn man sie braucht.“ Voraussetzung: „Man muss selber auch etwas geben und nicht nur nehmen“, betont Seidensticker, die ihr rund 3.000 Kontakt zählendes Netzwerk täglich pflegt.

Claudia Seidensticker tut dies für die Kinder, insbesondere für jene aus den bildungsfernen Schichten, deren Eltern sich keine Kunst- oder Musikkurse für ihren Nachwuchs leisten können. Kostenfrei sind die Mädchen und Jungen daher mittwochs ab 16 Uhr eingeladen, in dem in Düsseldorf-Rath gemieteten Räumen eingerichteten Kinderkunstatelier zu malen. Jeweils zwei Künstler sowie Pädagogen, Psychologen und Ehrenamtliche begleiten die Sechs- bis 18-Jährigen dabei, geben ihnen Tipps und Anregungen organisieren Performances. „Vor allem aber hören sie zu“, betont Seidensticker. Denn malen, sagt sie, sei Kommunikation. „Die Kinder öffnen sich und erzählen - auch was sie bedrückt.“

Ihre Philosophie: „Kinder aller Gesellschaftsschichten stark machen!“ In der kreativen Auseinandersetzung mit Pinsel und Farben, aber auch Kreide und Bleistift sollen Mädchen und Jungen Gelegenheit bekommen, ihre Fähigkeiten und Talente zu entdecken und einen Weg zu finden, sich auszudrücken. Die Kunst sei ein geeignetes Mittel, Kinder unabhängig von ihrer nationalen oder sozialen Herkunft in ihrer Entwicklung zu fördern. Und von einer Tatsache ist Claudia Seidensticker überzeugt: „Kinder malen gern!“

Dieses Projekt wurde nominiert für den Deutschen Bürgerpreis 2010.

Gefunden und bearbeitet von: Stiftung Bürgermut

Expertentipp:

Als sich aus dem einmaligen Event ein langfristiges Engagement zugunsten der Kinder entwickelt hat, gründeten Claudia Seidensticker und ihre Mitstreiter zunächst einen Verein und schließlich eine Stiftung. „So geht man auf Nummer sicher, dass das Ganze auch nachhaltig ist“, begründet die freischaffende Künstlerin die Gründung der Stiftung „Kultur für Kinder“. Eine Vereinsgründung sei empfehlenswert, da damit „alles auf eine rechtlich einwandfreie Basis gestellt wird“.

Kooperation/Erfolge:

„Man muss das Rad nicht immer neu erfinden“, lautet die Devise von Claudia Seidensticker. Ihr Konzept eines „Kinderateliers“ gibt sie daher an Initiatoren anderer Städte weiter, und zwar in Form einer „Filiale“. In Köln, Limburg und Trier zum Beispiel wurde das Projekt inzwischen auf dieser „Transfair“-Basis fortgesetzt.

Stolz ist Seidensticker auch, dass 2008 Bundesministerin Ursula von der Leyen und 2009 der damals noch amtierende Bundespräsident Horst Köhler die Schirmherrschaft für ihre Kinder-Mal-Aktionen übernommen haben. Außerdem wurde die Aktion 2009 ins „Land der Ideen“ aufgenommen.

Web-Links:

Internetpräsenz des Vereins Krass, einer Kinderinitiative für kulturelle Bildung:
www.krass-ev.de

Internetseiten der Stiftung „Kultur für Kinder“.
http://www.stiftungkulturfuerkinder.de